Abstract für den Vortrag von Dr. Karl von Koerber, München
Die "Preis-Frage" der teureren Öko-Lebensmittel
Wie lässt sich diese Hürde für Verbraucher überwinden?
Wie kommt es, dass die üblichen Lebensmittel so erstaunlich billig sind? Diese Frage sollte sich viel eher stellen als die umgekehrte, nämlich warum Öko-Lebensmittel teurer sind.
Die Preise für Erzeugnisse aus konventioneller Landwirtschaft können nur deshalb so niedrig sein, weil diese Produktionsmethode nach dem einseitigen Ziel der Ertragsmaximierung mit hohem technischem und chemischem Aufwand wirtschaftet. Auch die immer stärkere Konzentration in Lebensmittelverarbeitung und -handel und die damit verbundene Marktmacht trägt zu den ausgesprochen niedrigen Preisen für konventionelle Produkte bei.
Diese enthalten aber nicht die ökologischen und sozialen Folgekosten ihrer umwelt- und sozialunverträglichen Erzeugung (z. B. für Pestizid- und Nitratbelastung im Grundwasser mit notwendiger Trinkwasseraufbereitung oder für soziale Lasten durch das "Bauernhofsterben"). Die entstehenden Folgekosten werden entweder über Steuern auf die Allgemeinheit übertragen oder auf die Bauern in Europa bzw. Entwicklungsländern oder sogar auf zukünftige Generationen abgewälzt.
Ökologisch erzeugte Lebensmittel haben die genannten negativen Auswirkungen nicht oder nur in geringem Maße. Durch einen höheren Arbeitsaufwand und etwas niedrigere Erträge sowie durch einen höheren ökologischen und sozialen Anspruch sind diese Produkte verständlicherweise nicht genauso billig wie konventionelle. Als agrarpolitische Maßnahme zur Absenkung der Preise für ökologisch erzeugte Lebensmittel sollten die Öko-Bauern für ihre umfangreichen, bislang unentgeltlichen Zusatzleistungen wie Schutz der Landschaft, der Artenvielfalt und des Trinkwassers aus staatlichen Quellen real bezahlt werden. Sobald immer mehr Menschen diese Produkte mit einer umfassenden hohen Qualität kaufen, werden sie auch durch eine Effektivierung der Vermarktungsstrukturen preisgünstiger. Da die Verbraucher sicher sein wollen, ob sie seriöse Bio-Qualität vor sich haben, sind auch die Kontrollkosten zu berücksichtigen.
Die höheren Preise für ökologische Erzeugnisse relativieren sich dadurch, dass sich bei einer nachhaltigen Ernährungsweise auch die Lebensmittelauswahl ändert. Die relativ teuren Produktgruppen wie Fleisch, Süßigkeiten, alkoholische Getränke und Genußmittel werden weniger gekauft, dafür aber mehr Grundnahrungsmittel. Insofern müssen die Gesamtausgaben für Ernährung nicht höher liegen. Der Anteil der Kosten für Ernährung an den gesamten Ausgaben der Verbraucher war noch nie so niedrig wie heute: in den 1960er Jahren lagen sie noch bei 37 %, 1998 dagegen nur noch bei 14 %.
Während die Ausgaben für den Privaten Verbrauch d. h. auch das durchschnittliche Einkommen in den letzten 40 Jahren nominal auf das 6fache gestiegen sind, erhöhten sich die Ausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren nur auf das 2fache. Dieser sehr geringe Preisanstieg, der so niedrig in keinem anderen gesellschaftlichen Bereich erzielt wurde, war nur durch die in mehrfacher Hinsicht problematische Intensivierung der Landwirtschaft möglich.
Fazit: Die Entscheidung, mehr Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft zu verwenden, ist damit weniger eine Frage des Einkommens als viel mehr der Einstellung, d. h. der Prioritäten des eigenen Lebensstils und der Wertschätzung gegenüber der eigenen Gesundheit, der Umwelt und den sozialen Aspekten des Ernährungssystems.
Literatur: Koerber Kv: Preise von Erzeugnissen aus konventioneller Landwirtschaft vs. Preise von Öko-Lebensmitteln. Zeitschrift für Ernährungsökologie 1(3), 128-130, 2000Homepage an der TU München: www.weihenstephan.de/ernaehrungsoekologie